Liebe, Intimität & Schwangerschaft mit Stoma – Alles, was Sie darüber wissen sollten

Liebe, Intimität & Schwangerschaft mit Stoma – Alles, was Sie darüber wissen sollten

Ein Stoma ist eine große Veränderung – nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Dass man sich deswegen manchmal nicht mehr wie sich selbst fühlt, kann vollkommen normal sein. Wichtig ist dabei, sich ausreichend Zeit zu geben, sich an seinen neuen Körper zu gewöhnen und nicht zu hart mit sich selbst zu sein. Auch wenn die Hemmschwelle höher sein mag, stellt ein Stoma absolut kein Hindernis für Partnerschaft, Intimität und Sexualität dar.

Akzeptanz des Körpers

Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper oder Scham sind natürliche Empfindungen, unter welchen viele Menschen leiden – auch ohne Stoma. Wir sind alle nicht perfekt, denn manche haben Speckröllchen, Falten, Pickel und manche haben eben ein Stoma. Dennoch sind wir perfekt, so wie wir sind. Eine Stoma-Operation ist natürlich kein kleiner Mitesser auf der Nase, sondern bringt eine besondere Herausforderung mit sich. Ein Stoma ist und bleibt eine große körperliche Veränderung verbunden mit Einschränkungen und Risiken, die man lernen muss, zu akzeptieren. Es gibt jedoch keinen Grund, sich als Stomaträger weniger attraktiv zu fühlen!

Für einige Personen stellt das neue Stoma eine große Entlastung dar, weil es Ihnen mehr Lebensqualität gibt. Andere wiederum hadern stark damit, weil sie sich im eigenen Körper fremd fühlen. Beides ist vollkommen normal und auch in Ordnung. Ganz wichtig ist es jedoch, sich klarzumachen, dass es seine Zeit dauert, bis man sich an die neuen körperlichen Gegebenheiten gewöhnt hat und diese akzeptiert. Selbstakzeptanz ist ein wichtiger Schritt für ein glückliches und zufriedenes Leben.

Nicht nur Selbstakzeptanz trägt zur Stärkung des Selbstwertes bei, sondern auch Ihre Stomaversorgung kann Ihnen helfen, sich wieder attraktiv zu fühlen. Es gibt beispielsweise extra kleine Stomabeutel, die weniger auffallen oder störend empfunden werden. Aber auch Versorgungen in anderen Farben an Stelle von medizinischem beige, können für ein besseres Gefühl sorgen. Für Kolostomie-Träger eignet sich unter bestimmten Voraussetzungen auch die Durchführung einer Irrigation und Verwendung einer Stomakappe.

Was ist eine Irrigation?

Die Irrigation ist eine Art Darmspülung, mit deren Hilfe ausschließlich Personen mit einem Kolostoma und unter speziellen Voraussetzungen, eine gezielte Darmentleerung vornehmen können. Durch das Einleiten von Wasser in den Dickdarm wird der Reflex des Ausscheidungsprozesses ausgelöst, welcher eine stuhlgangfreie Zeit von ca. 24-48 Stunden bieten kann. In dieser Zeit ist das Tragen von herkömmlichen Kolostomiebeuteln nicht notwendig – es können nun kleinere, unauffälligere Beutel oder Stomakappen verwendet werden.

Aber: Ob und inwiefern für Sie eine Irrigation in Frage kommt, ist vorher unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Stomapflegekraft abzuklären. Des Weiteren ist dafür ist eine Verordnung notwendig bzw. eine intensive und genaue Schulung durch Ihre Stomapflegekraft.

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Partnerschaft

Es kann gut sein, dass es mehr Zeit braucht, sich nach der Operation auf eine Partnerin oder einen Partner einzulassen. Vertrauen und Kommunikation sind dabei Schlüsselkomponenten für eine bedürfnisorientierte Beziehung. Lassen Sie sich und auch Ihrem Partner genügend Zeit und schenken Sie sich gegenseitiges Einfühlungsvermögen. Gemeinsam lernen Sie mit der veränderten Situation umzugehen.

Bitte denken Sie immer daran: Ihr Leben wird nicht von Ihrem Stoma bestimmt. Es ist daher immer ratsam, offen über Ihre Gefühle zu sprechen – einfach, um Missverständnisse und Druck zu vermeiden sowie Verständnis aufzubauen.

Hier sind unsere Tipps & Tricks:

  • Offene Kommunikation: Sprechen Sie mit Ihrem Gegenüber über Ihre Sorgen, Gefühle und Bedürfnisse. Oftmals schafft das einfache Formulieren ihrer Gefühlslage auch mehr Verständnis Ihrerseits. Ihrem Partner hilft es dabei allemal, sich an Ihren neuen Alltag mit Stoma zu gewöhnen.
  • Zeit: Wir Menschen lieben unsere Gewohnheiten, doch diese entstehen nicht einfach so und vor allem nicht schnell. Geben Sie sich und einander Zeit, um sich auf die veränderten Umstände einzustellen. Ein offener Umgang aller Beteiligten hilft, das Verständnis füreinander zu erhöhen.
  • Externe Hilfe: Stomapflegekräfte oder Psychologen können Ihnen dabei helfen, mit dem Thema Stoma umzugehen. Aber auch Ihrer Familie, Freude und vor besonders der Partner können Sie bei der Bewältigung Ihres neuen Alltags unterstützen. Sie müssen es nur zulassen. Daher scheuen Sie sich nicht, Hilfe von Anderen anzunehmen. Keiner wird sie verurteilen.
  • Vorbereitungen: Wer gut vorbereitet ist, hat weniger Sorgen. In Bezug auf Intimitäten hält es sich genauso. Im besten Fall entleeren Sie Ihren Beutel vor dem Geschlechtsverkehr und verzichten ca. eine Stunde zuvor auf Essen und Trinken. So vermeiden Sie Entleerungen zu ungünstigen Momenten.

    Achtung: Niemand kann und darf Ihnen vorschreiben, mit wem, wann oder was Sie über sich und Ihre Bedürfnisse teilen möchten. Diese Entscheidung obliegt allein Ihnen!

Kinderwunsch

Gute Nachricht: Dem Kinderwunsch steht ein Stoma nicht im Wege. Eine gesunde Stomaträgerin kann mit einer normal verlaufenden Schwangerschaft und Geburt rechnen. Zwar ist aus ärztlicher Sicht eine Schwangerschaft mit Stoma eine Risikoschwangerschaft, allerdings muss man auch dazu sagen, dass heute bereits die Mehrzahl der Schwangerschaften aller Frauen als Risikoschwangerschaft gelten – und das aufgrund der Zunahme von Vorerkrankungen in unserer Gesellschaft im Allgemeinen und auch das steigende Alter werdender Mütter.

Generell wird eine Wartezeit von zwei Jahren nach der Stomaanlage empfohlen, damit das Stoma gut in die Bauchdecke einwachsen kann und dem enormen Druck im Bauchraum während der letzten Schwangerschaftswochen Stand hält.

Besteht bereits vor einer geplanten Stomaoperation ein Kinderwunsch, sollten Sie dies unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt und Ihrer Stomapflegekraft besprechen. So kann die Position des Stoma so gewählt werden, dass es auch während einer Schwangerschaft gut zu versorgen ist. In der Schwangerschaft dehnt sich die Haut und es kann zu Veränderungen der Ausgestaltung Ihres Stomas kommen. Das ist allerdings kein Grund zur Sorge, da im Zweifel nur Ihre Versorgung angepasst werden muss.

Chemotherapie

Ist aufgrund einer Krebserkrankung eine Bestrahlung notwendig, können die Eierstöcke vor Schädigungen geschützt werden. Es ist ebenso möglich, Eizellen vor Beginn der Strahlenbehandlung zu entnehmen und zu befruchten. Die Eizellen werden dann eingefroren für den Fall, das nach der Krebstherapie eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege nicht mehr möglich ist.

Ganz generell wird empfohlen nach einer Chemotherapie mit einer Schwangerschaft zwei Jahre lang zu warten, um mögliche Fehlbildungen zu vermeiden.

Stomaversorgung

Während der Schwangerschaft muss in den meisten Fällen durch die Veränderung des Bauches auch die Stomaversorgung angepasst werden. Oftmals reicht es vollkommen aus, die Öffnung in der Basisplatte zu vergrößern, da sich auch das Stoma im Verlauf der Schwangerschaft vergrößert. Sollte eine Vergrößerung der Basisplatte Ihrer Versorgung nicht ausreichen, können Sie weiche, plane und vor allem flexible Hautschutzmaterialien ausprobieren. Wir empfehlen hier immer gerne unsere Versorgungen mit gelatinefreiem oder Hydrokolloid Hautschutz. Im Falle einer Urostomie empfehlen wir unsere MicroSkin Versorgung.

Sie können sich nicht entscheiden? Kein Problem. Bestellen Sie sich ganz einfach bis zu drei Produkte kostenfrei direkt zu Ihnen nach Hause. Wie unsere Musterbestellung funktioniert, erfahren Sie hier.

Bitte verwenden Sie während Ihrer Schwangerschaft keine konvexen Produkte, da diese einen zu starken Druck auf den Bauch ausüben. Generell ist es immer die beste Idee, darüber mit Ihrer Stomapflegekraft zu reden und mögliche Lösungen auszuprobieren.

Accessoires

Da man mit wachsendem Bauch auch zunehmend schlechtere Sicht nach unten hat, ist ein Spiegel während des Versorgungswechsels durchaus sinnvoll. Auch das Tragen einer Schwangerschaftsstützbandage (Achtung: Keine Stomabandage!) ist empfehlenswert, um Ihren Rücken und die Beckenregion zu entlasten. Für regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen sollten Sie – wie bei jeder anderen Schwangerschaft – außerdem Ihren Facharzt aufsuchen.

Hormone

Des Weiteren können sich die hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft auf den Stuhlgang auswirken (Durchfall oder Verstopfung). Hier ist eine zusätzliche Anpassung Ihrer Versorgung notwendig. Ein paar Ileostomiebeutel auf Vorrat zu haben ist immer sinnvoll, sollte es zu Durchfällen kommen.

Geburt

Auch mit einem Stoma ist eine vaginale Geburt möglich und wird in der Regel empfohlen, da sie für das Kind vorteilhaft ist. Während der natürlichen Geburt nimmt das Baby die mütterliche Bakterienflora auf, was die Besiedlung des Darms und der Haut fördert und das Immunsystem stärken kann. Ein Kaiserschnitt ist dennoch eine legitime Option, insbesondere wenn medizinische Gründe wie eine ungünstige Lage des Kindes oder Stomas vorliegen. Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass bestehende Verwachsungen oder Fisteln den Eingriff erschweren können, da diese zunächst gelöst werden müssen.

Für eine individuelle Einschätzung sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt und Ihrer Stomapflegekraft.

Rückverlegung des Stomas

Ist für einen späteren Zeitpunkt bereits die Rückverlegung des Stomas geplant, ist der Kaiserschnitt ebenfalls das Mittel der Wahl. So wird das Risiko eines Dammrisses, der den Schließmuskel schädigen und die Rückverlegung des Stomas erschweren könnte, vermieden.

Stillen

Nach der Geburt ist das Stillen wichtig für das Bonding und Ihr Stoma sollte hier kein Hindernis darstellen. Natürlich können – wie bei jeder anderen Frau auch – Probleme beim Stillen aufkommen. Hier ist es entscheidend, sich seiner Hebamme oder seinem Arzt anzuvertrauen, die Ihnen mit Rat und Tat zu Verfügung stehen.

Ganz wichtig beim Thema Stillen sind eventuell einzunehmende Medikamente. Je nachdem, welche Medikamente Sie aufgrund Ihrer Grunderkrankung zu sich nehmen müssen, sind potenzielle Auswirkungen auf Ihr Kind abzuwägen. Auch dies ist ausschließlich mit Ihrem Arzt zu besprechen!

Unser kleiner Tipp zum Stillen mit Stoma: Leeren Sie den Beutel, bevor Sie Ihr Baby stillen. Ein aktiver Säugling könnte den Beutel lösen oder ein Leck verursachen.

Wie Sie sehen, steht Ihr Stoma weder Ihrer Partnerschaft, Intimität noch Ihrem Kinderwunsch im Weg. Mit ein wenig Zeit, Vertrauen in Ihren Körper, Empathie und den richtigen Personen ist das Leben genauso liebenswert wie ohne Stoma!

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