Stomaprobleme – Erklärungen, Tipps & Tricks #2
Ein Stoma ist für viele Menschen ein neuer Lebensabschnitt, der mehr Unabhängigkeit und Sicherheit im Alltag bringen kann. Natürlich kann es dabei auch Herausforderungen geben – wie Hautreizungen, Undichtigkeiten oder gelegentlich ein hoher Stoma-Output. Die gute Nachricht ist: Mit ein paar einfachen Tricks, dem richtigen Equipment und etwas Übung lassen sich diese Probleme meist gut meistern. Dieser Blogbeitrag erklärt verständlich, welche Stomaprobleme häufig auftreten, wie man sie erkennt und welche einfachen Maßnahmen den Alltag erleichtern können.
Leckagen
Leckagen sind ein häufiges Problem bei Stomaträgern. Sie entstehen, wenn Stuhl oder Urin unter oder neben dem Beutel austritt. Das kann unangenehm sein, die Haut reizen und das Sicherheitsgefühl beeinträchtigen. Ursachen können hier verschiedenste sein:- Falsche Größe der Stomaöffnung: Wenn die Öffnung zu groß oder zu klein ist, kann der Beutel nicht dicht sitzen.
- Stomaveränderungen: Das Stoma kann sich in Größe oder Form verändern, zum Beispiel durch Gewichtsveränderungen oder Schwellungen.
- Ungleichmäßige Hautfläche: Narben, Falten oder Vertiefungen rund um das Stoma erschweren einen fest Halt.
- Falsche oder abgelaufene Produkte: Abgelaufene Versorgungen oder Zubehörprodukte können schlechter haften.
- Hoher Stoma-Output: Besonders bei flüssigem Stuhl kann der Beutel schneller überfüllt sein oder unterlaufen.
- Mechanische Faktoren: Starke Bewegung, sportliche Aktivitäten oder zu spätes Leeren des Beutels.
Maßnahmen
- Schnell handeln: Beutel wechseln, um Hautkontakt mit Stuhl oder Urin zu minimieren.
- Stoma und Haut reinigen: Nur lauwarmes Wasser verwenden, sanft trocknen.
- Basisplatte und Beutel anpassen:
- Öffnung exakt an die Stomagröße anpassen
- Hautschutzringe oder Pasten verwenden, um Unebenheiten auszugleichen
- Konvexe Basisplatten bei zurückgezogenem Stoma verwenden
- Beutel rechtzeitig leeren: Behalten Sie den Füllstand des Beutels im Auge und leeren Sie ihn, sobald er etwa zu einem Drittel oder zur Hälfte gefüllt ist.
- Produktauswahl prüfen: Für hohen Output geeignete Systeme können Leckagen reduzieren. Zu unseren Drainagebeuteln
- Haut schützen: Bei wiederkehrender Feuchtigkeit Hautschutzpuder oder -spray verwenden.
- Professionelle Unterstützung: Stomapflegekräfte können den Sitz der Versorgung optimieren und passende Produkte empfehlen.
- Achten Sie auf Ihre Aktivitäten: Seien Sie vorsichtig bei Aktivitäten, die starke Bewegungen, Druck auf den Unterleib oder enge Kleidung erfordern. Eventuell kann ein(e) Stomagürtel oder -bandage helfen, um Ihr Stoma bei körperlichen Aktivitäten zu schützen.
Diarrhöe
Durchfall kann für Menschen mit einem Stoma besonders belastend sein. Er bedeutet nicht nur häufigere Beutelentleerungen, sondern erhöht auch das Risiko für Hautreizungen, Flüssigkeits- und Elektrolytverluste. Ein bewusster Umgang mit den Ursachen und eine schnelle Reaktion helfen, Beschwerden zu lindern.Durchfall bei Stomaträgern kann viele verschiedene Ursachen haben. Häufig spielen Ernährungsfaktoren eine Rolle – stark gewürzte Speisen, sehr fettreiche Gerichte, Kaffee, Alkohol oder bestimmte Milchprodukte können den Stuhl verflüssigen. Auch Infektionen des Magen-Darm-Traktes durch Viren oder Bakterien sind ein häufiger Auslöser für akuten Durchfall. Medikamente, wie zum Beispiel Antibiotika oder Abführmittel, können ebenfalls den Darm beeinflussen. Darüber hinaus kann Stress die Verdauung beschleunigen und zu häufigerem Stuhlgang führen. Bei Menschen mit chronischen Darmerkrankungen oder Kurzdarmsyndrom sind flüssige Ausscheidungen oft Teil der Grunderkrankung. In der Anfangszeit nach einer Stomaanlage ist Durchfall zudem nicht ungewöhnlich, da sich der Darm erst an die neue Situation anpassen muss.
Maßnahmen
- Flüssigkeit und Elektrolyte auffüllen: Viel trinken (Wasser, Kräutertee) und salzhaltige Brühen oder Elektrolytlösungen nutzen, um Austrocknung zu vermeiden.
- Schonkost essen: Lebensmittel wie Bananen, Reis, Toast, Zwieback, Karotten oder Haferflocken helfen, den Stuhl zu festigen.
- Stopfende Lebensmittel wählen: Heidelbeeren, Banane, Weißbrot oder Kartoffeln können die Ausscheidung regulieren.
- Medikamente nur nach Rücksprache: Durchfallmedikamente wie Loperamid nur nach ärztlicher Empfehlung einsetzen.
- Hautschutz beachten: Durch häufigeren Beutelwechsel steigt das Risiko für Hautreizungen – Schutzprodukte (Hautschutzringe oder -spray) sind hier besonders wichtig.
- Beutel häufiger entleeren: Durchfall kann den Beutel schnell füllen; regelmäßiges Entleeren beugt Leckagen vor.
- Ärztliche Abklärung: Bei länger anhaltendem Durchfall (mehr als 48 h), Fieber oder Blut im Stuhl sollte sofort ein Arzt oder eine Stomapflegekraft aufgesucht werden.
Ballooning
Ballooning bezeichnet das deutliche Aufblähen des Stomabeutels durch angesammelte Gase. Hauptursache ist eine vermehrte Gasbildung im Darm, die durch blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln oder kohlensäurehaltige Getränke verstärkt werden kann. Auch hastiges Essen und Trinken oder häufiges Schlucken von Luft führen dazu, dass mehr Gas in den Darm gelangt. Zusätzlich kann es vorkommen, dass der Filter des Stomabeutels feucht oder verstopft ist und dadurch seine Entlüftungsfunktion nicht mehr richtig erfüllt. Da der Beutel nachts oft länger getragen wird, sammelt sich besonders in dieser Zeit mehr Luft an, was das Ballooning verstärken kann. Obwohl Ballooning nicht gefährlich ist, kann es unangenehm sein, zu Hautproblemen führen und die Sicherheit der Versorgung beeinträchtigen.Maßnahmen
- Filterfunktion prüfen: Bei Nässe kann der Filter verkleben (bei Wasserkontakt Filtersticker nicht vergessen!), ein Beutelwechsel kann helfen.
- Ernährung anpassen: Gasbildende Lebensmittel reduzieren und Speisen langsam und in Ruhe essen.
- Luftschlucken vermeiden: Auf kohlensäurehaltige Getränke verzichten, bewusst und langsam trinken.
- Regelmäßiger Beutelwechsel: Bei starkem Ballooning den Beutel häufiger leeren oder wechseln, um Druck zu reduzieren.
- Versorgung optimieren #1: Geben Sie ein paar Tropfen Olivenöl oder Babyöl in den Beutel und verteilen Sie das Öl von der Öffnung aus auf der gegenüberliegenden Seite. Dadurch kann der Stuhl besser nach unten rutschen und blockiert nicht.
- Versorgung optimieren #2: Legen Sie vor dem Anbringen der Versorgung ein kleines, zusammengerolltes Stück Toilettenpapier in den Beutel. Das beschwert den Beutel leicht und verhindert, dass die Innenflächen zusammenkleben oder ein Vakuum entsteht.
Bei starkem oder dauerhaftem Ballooning wenden Sie sich bitte an Ihre Stomapflegekraft. Diese kann Ihnen eine andere Stomaversorgung empfehlen.
Detailliertere Informationen zum Ballooning finden Sie hier.
Verstopfung/Stomablockade
Verstopfung ist eine häufige Herausforderung für Stomaträger. Sie äußert sich durch seltenen, harten oder schmerzhaften Stuhlgang und kann das Stoma und die Versorgung zusätzlich belasten. Verstopfung beim Stoma entsteht häufig durch zu wenig Flüssigkeit oder ballaststoffarme Ernährung, die den Stuhl hart und schwer passierbar machen. Auch Bewegungsmangel kann die Darmtätigkeit verlangsamen. Bestimmte Medikamente wie Schmerzmittel oder Eisenpräparate begünstigen Obstipation zusätzlich. Darüber hinaus können Darmveränderungen oder Engstellen am Stoma den Stuhltransport behindern und zu Verstopfung führen.Maßnahmen
- Ausreichend trinken: Wasser, ungesüßten Tee oder verdünnte Säfte.
- Ballaststoffreiche Ernährung: Obst, Gemüse, Vollkornprodukte oder Flohsamenschalen nach Verträglichkeit.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Darmbewegung.
- Medikamente überprüfen: In Absprache mit Arzt oder Apotheker, ggf. abführende Mittel einsetzen.
Mehr zu diesem Thema finden Sie hier.
Harnwegsinfektionen (HWI)
Menschen mit einem Urostoma können häufiger von Harnwegsinfektionen (HWI) betroffen sein. Grund ist die veränderte Anatomie und die Tatsache, dass Urin über einen künstlichen Ausgang abgeleitet oder in einem Reservoir gesammelt wird. Eine frühzeitige Erkennung und Vorbeugung sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden.Typische Symptome
- Trüber, übelriechender Urin im Beutel
- Fieber, Schüttelfrost, allgemeines Krankheitsgefühl
- Schmerzen oder Druckgefühl im Rücken/Nierenbereich
Wichtig: Manche Betroffene spüren weniger klassische Symptome. Regelmäßige Beobachtung von Farbe, Geruch und Menge des Urins ist daher besonders wichtig.
Maßnahmen
- Hygiene: Beutel und Basisplatte regelmäßig und sauber wechseln, sowie die Hände vor und nach jeder Versorgung gründlich waschen. Sollten Sie einen Drainagebeutel für die Nacht verwenden, so stellen Sie sicher, dass dieser nach jedem Gebrauch gründlich gereinigt wird.
- Ausreichend trinken: Trinken Sie täglich 1,5–2 Liter Wasser pro Tag (sofern keine andere ärztliche Vorgabe besteht). Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme hilft, Bakterien „auszuspülen“. Versuchen Sie, koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder Tee in Maßen zu genießen – sie tragen ebenfalls zur Flüssigkeitszufuhr bei, wirken aber leicht harntreibend. Bei einer Harnwegsinfektion kann das Trinken von Cranberrysaft unterstützend sein.
- Regelmäßige Entleerung: Beutel nicht überfüllen. Ungefähr alle 2–4 Stunden entleeren.
- Richtige Pflegeutensilien: Reinigungsmittel ohne aggressives Parfum oder Alkohol verwenden.
Rektaler Ausfluss
Nach der Anlage eines Stomas, sofern das Rektum noch vorhanden ist, kann es gelegentlich zu Ausfluss kommen. Das liegt daran, dass der verbleibende Darmabschnitt – insbesondere der Enddarm – weiterhin Schleim produziert . Dieser Schleim kann sich sammeln und gelegentlich ausgeschieden werden, ähnlich wie bei normalem Stuhlgang. Dabei kann ein Druckgefühl oder Schmerzen auftreten. Es kann hilfreich sein, sich auf die Toilette zu setzen, um dem natürlichen Drang nachzugeben und eventuell Schleim oder Reststuhl aus dem verbleibenden Darmabschnitt auszuscheiden. Anfangs kann es Sicherheit geben, Einlagen zu tragen, um die Kleidung zu schützen.Wenn das Rektum entfernt wurde, kann Ausfluss dennoch auftreten. Mögliche Ursachen sind Wundheilungsprozesse, Narbengewebe, Reizungen oder – in manchen Fällen – kleine Abszesse oder Fisteln im Bereich der verschlossenen Afteröffnung. Diese Beschwerden sind nicht ungewöhnlich, sollten aber ärztlich abgeklärt werden, besonders wenn sie anhalten oder zunehmen. Ihr behandelnder Arzt kann beurteilen, ob eine Nachbehandlung erforderlich ist.
Rektaler Ausfluss
Ein High Output Stoma liegt vor, wenn ein Stoma mehr als 1.000-2.000 ml Flüssigkeit pro Tag abgibt (abhängig von Stomaart und individuellen Faktoren). Dabei kann es sich um ein Ileostoma oder seltener ein Kolostoma handeln. Ein High-Output Stoma ist keine Krankheit an sich, sondern ein Symptom, das den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt stark belasten kann. Ein High Output Stoma kann verschiedene Ursachen haben, darunter eine verkürzte Darmlänge (Kurzdarmsyndrom), entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, Infektionen des Darms, Medikamente wie Abführmittel oder bestimmte Antibiotika, Darmverschluss oder Stenosen, die den Stuhl schneller passieren lassen, sowie eine hohe Aufnahme stark wasserhaltiger Lebensmittel oder Getränke, die den Stomaausstoß erhöhen.Typische Symptome
- Sehr hoher Stomaausstoß (oft über 1 Liter pro Tag)
- Dehydrierung: Durst, trockene Schleimhäute, Schwindel
- Elektrolytstörungen: Muskelkrämpfe, Müdigkeit, Schwäche
- Gewichtsverlust oder Mangelernährung bei längerer Dauer
- Hautprobleme rund um das Stoma durch vermehrten Kontakt mit aggressiver Flüssigkeit
Maßnahmen
- Salzreiche Kost und ausreichend trinken
- Kleine, häufige Mahlzeiten
- Medikamente nur nach ärztlicher Absprache
- Stomaausstoß regelmäßig dokumentieren
- Ausreichend, aber gezielt trinken, um Dehydrierung zu vermeiden
- Stark osmotische Getränke (z. B. Saft oder Limonade) meiden
- Hautpflegeprodukte zum Schutz vor Hautreizungen nutzen
- Nach ärztlicher Rücksprache: parenterale Ernährung
Fazit
Ein Stoma bringt neue Anforderungen mit sich, aber mit dem richtigen Wissen und einer gut angepassten Versorgung lassen sich die meisten Herausforderungen zuverlässig bewältigen.Ob Leckagen, Durchfall, Ballooning, Verstopfung, Harnwegsinfektionen oder rektaler Ausfluss – all diese Situationen sind für Stomaträger nicht ungewöhnlich und meist gut behandelbar, wenn man ihre Ursachen kennt und frühzeitig handelt.
Eine sorgfältige Hautpflege, passende Produkte, Aufmerksamkeit für Ernährung und Flüssigkeitszufuhr sowie regelmäßiger Austausch mit Stomapflegekräften sind entscheidende Faktoren für Sicherheit und Wohlbefinden. Mit etwas Erfahrung und den passenden Maßnahmen wird der Alltag Schritt für Schritt leichter, stabiler und selbstbestimmter.
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