Stomablockaden besser verstehen – Ursachen, Anzeichen und Lösungen
Ein Stoma kann für viele Menschen ein neues Gefühl von Lebensqualität und Freiheit bedeuten. Doch auch mit einem künstlichen Darm- oder Blasenausgang kann es zu Herausforderungen kommen – eine davon ist die sogenannte Stomablockade. In diesem Beitrag erfahren Sie, was hinter einer Blockade steckt, welche Warnzeichen Sie kennen sollten, und wie Sie im Ernstfall richtig handeln.
Was ist eine Stomablockade überhaupt?
Eine Stomablockade wird auch als Darmverschluss bezeichnet und verhindert, dass der Stuhlgang ganz oder nur teilweise abfließt. Aber warum passiert das? Nun, eine Verstopfung wird in der Regel durch Nahrung, Entzündungen, Narbengewebe (Verklebungen) oder Verdrehungen des Darms verursacht.Grundsätzlich gibt es dabei zwei Arten von Blockaden: eine teilweise Blockade und die vollständige Blockade. Eine teilweise Blockade liegt vor, wenn noch eine kleine Menge Flüssigkeit die Verstopfung überwinden kann. Das führt in der Regel zu einem flüssig-schleimigen, übelriechenden Stuhlgang aus Ihrem Stoma. Bei einer vollständigen Blockade kommt überhaupt nichts mehr aus dem Stoma heraus.
Bei einer Stomablockade mit einem Urostoma handelt es sich um eine potenziell ernste Situation, die besondere Aufmerksamkeit erfordert. Im Gegensatz zu einem Kolo- und Ileostoma, bei dem Stuhl betroffen ist, geht es hier um den Harnabfluss. Eine Blockade kann den Urinfluss behindern und zu Komplikationen führen.
Mögliche Ursachen
Es gibt verschiedene Gründe, warum es zu einer Blockade kommen kann.Bei Kolo- und Ileostomie:
- Ballaststoffreiche oder schwer verdauliche Nahrung (z. B. Sellerie, Spargel, Nüsse, Mais)
- Vernarbungen oder Verwachsungen im Bauchraum
- Verengungen (Stenosen) am Stoma oder im Darm
- Nicht ausreichend gekautes Essen
- Flüssigkeitsmangel
- Hernien (Brüche) in der Nähe des Stomas
Bei Urostomie:
- Schleimproduktion, welche den Stomaausgang verstopfen kann
- Verengungen (Stenosen) am Stoma
- Verklebungen im Bereich des Stomas oder der ableitenden Harnwege
- Flüssigkeitsmangel
Manche Menschen reagieren empfindlicher auf bestimmte Lebensmittel oder Situationen. Es lohnt sich, ein Ernährungstagebuch zu führen, wenn Sie häufiger Beschwerden haben.
Typische Anzeichen
Das offensichtlichste Anzeichen für ein blockiertes Stoma sind Ihre Ausscheidungen – oder besser gesagt: wenig bis keine Ausscheidungen. Sollten Sie also Veränderung in der Regelmäßigkeit Ihres Stuhlgangs bzw. Urins feststellen, so kann dies auf eine Verstopfung hindeuten.Bei einem Kolostoma kann es vorkommen, dass sich eine Verstopfung schleichend entwickelt und mehrere Tage anhält. Sie fällt nicht immer sofort auf – manchmal gibt es keine eindeutigen Anzeichen. Deshalb kann es sein, dass eine beginnende Blockade zunächst unbemerkt bleibt. Da der Verdauungsrhythmus von Person zu Person verschieden ist, sollten Sie aufmerksam werden, wenn nach drei bis vier Tagen kein Stuhl entleert wurde – vor allem dann, wenn zusätzlich Schmerzen auftreten.
Bei einer Ileostomie kann eine Verstopfung relativ schnell und ohne jegliche Anzeichen auftreten. Da Sie mit einer Ileostomie den ganzen Tag über regelmäßig Stuhlgang haben sollten, ist es normalerweise bereits sehr alarmierend, wenn Ihr Stomabeutel über mehrere Stunden leer ist.
Weitere Symptome eines blockierten Stomas bei Kolo- & Ileostoma sind folgende:
- Plötzliche oder zunehmende Bauchschmerzen
- Geschwollener Bauch
- Übelkeit bis hin zu Erbrechen
- Trockener Mund
- Stoma selbst kann Anzeichen einer Schwellung oder eine Farbveränderungen aufzeigen, die auf eine verminderte Durchblutung hindeuten.
Eine Stomablockade bei einem Urostoma kann ernsthafte Folgen haben und sollte frühzeitig erkannt werden. Da Urin normalerweise kontinuierlich aus dem Urostoma fließt, sind Veränderungen im Urinfluss das wichtigste Warnsignal.
Weitere Symptome eines blockierten Stomas bei Urostoma sind folgende:
- Reduzierung der Urinmenge
- Volles Gefühl oder Druck im Bauch
- Rückenschmerzen oder Flankenschmerzen
- Fieber, Schüttelfrost oder allgemeines Krankheitsgefühl
- Stoma selbst zeigt Veränderungen wie z.B. eine Schwellung oder kein Scheimaustritt
Je früher Sie diese Anzeichen erkennen, desto besser können Sie reagieren – oft lassen sich Blockaden im Anfangsstadium noch selbst beheben.
Umgang mit einem verstopften Stoma
Sollten Sie eine Stomablockade vermuten, ist dies erst einmal kein Grund zur Sorge. Dennoch sollten Sie so bald wie möglich mit Ihrer Stomapflegekraft oder Ihrem Hausarzt sprechen. Die meisten Verstopfungen können Sie mit ein paar kleinen Tipps und Tricks selbst lösen.Tipps & Tricks
Ruhe bewahren: Beruhigen Sie sich und beobachten Sie die Situation. Stress kann den Darm zusätzlich verkrampfen.Viel trinken: Erhöhen Sie Ihre Flüssigkeitszufuhr. Trinken Sie neben Wasser und warmem Tee auch frische Fruchtsäfte. Manchmal können auch kohlensäurehaltige Getränke helfen.
Sanfte Massage: Massieren Sie sanft die Umgebung Ihres Stomas, um die Verstopfung zu lösen.
Wärme: Nehmen Sie ein warmes Bad oder versuchen Sie es mit einem Wärmekissen, denn das kann zur Entspannung Ihrer Bauchmuskeln beitragen.
Bewegung: Bleiben Sie in Bewegung, denn das fördert Ihre Verdauung und hilft so bei der Verstopfung. Gern können Sie auch folgende Übung ausprobieren: Legen Sie sich auf den Rücken, winkeln Sie die Knie an die Brust und schaukeln sanft von einer Seite zur anderen.
Stomaöffnung prüfen: Wenn Ihr Stoma stärker geschwollen ist als sonst, sollten Sie prüfen, ob die Öffnung Ihres Beutels etwas größer geschnitten werden muss.
Hinweis für Menschen mit einer Kolostomie: Ihr Hausarzt kann Ihnen Abführmittel verschreiben. Vergessen Sie nicht, dazu reichlich Wasser zu trinken, damit die Mittel besser wirken.
Wann sollten Sie zum Arzt?
Sofort ärztliche Hilfe ist notwendig, wenn:- Starke, anhaltende Schmerzen auftreten
- Bei Ileostoma: Über 6–8 Stunden kein Stuhl oder Gasabgang
- Fieber oder Schüttelfrost dazukommen
- Erbrechen einsetzt
- Das Stoma blau bis blass oder stark geschwollen ist
- Sich der Zustand trotz Selbstmaßnahmen nicht bessert
In solchen Fällen kann eine medizinische Entlastung notwendig sein, z. B. über einen Einlauf, eine Magensonde oder in seltenen Fällen auch eine operative Maßnahme.
Achtung: Wenn ein Urostoma blockiert ist und kein Urin mehr fließt, handelt es sich um einen dringenden medizinischen Notfall, da sich der Urin in den Nieren stauen und bleibende Schäden verursachen kann.
So kann das Risiko einer Stomablockade reduziert werden
Gute Vorbereitung ist die beste Strategie. Diese Tipps helfen Ihnen, Blockaden zu vermeiden:Ernährung
- Gründlich kauen
- Faserreiche Lebensmittel gut garen oder pürieren
- Schwere Kost (z. B. Nüsse, Hülsenfrüchte) in kleinen Mengen und gut zubereitet
- Neue Lebensmittel einzeln testen
Flüssigkeit
- Täglich 1,5–2 Liter trinken – bei Ileostomie eher mehr
- Auf Anzeichen von Austrocknung achten
Bewegung
- Tägliche Spaziergänge oder leichte Bewegungseinheiten einbauen
- Bauch- und Rumpfmuskulatur stärken – auch zur Vorbeugung von [Hernien](https://unora.de/stomapflege/parastomale-hernien)
Dokumentation
- Ein Ernährungstagebuch hilft, persönliche Auslöser zu erkennen
- Symptome und Essverhalten dokumentieren
- Stomaversorgung regelmäßig prüfen
Fazit
Stomablockaden können beunruhigend sein – müssen es aber nicht. Wer die Ursachen kennt, die Anzeichen ernst nimmt und weiß, wie man reagiert, ist gut gerüstet. Mit ein wenig Achtsamkeit im Alltag lassen sich viele Blockaden vermeiden oder frühzeitig abwenden.Wenn Sie sich unsicher sind oder wiederholt Beschwerden haben, sprechen Sie offen mit Ihrem medizinischen Team – gemeinsam finden Sie Lösungen, die zu Ihrem Leben passen.
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