Stomabeutel wechseln – Alles, was Sie darüber wissen sollten

Stomabeutel wechseln – Alles, was Sie darüber wissen sollten

Ein Stomabeutel muss regelmäßig gewechselt werden. So viel ist schon einmal klar. Für frische Stomaträger kann das Wechseln Ihres Beutels allerdings zu einer Herausforderung werden – Wie? Wann? Wie oft? Was muss beachtet werden?

Eins können wir Ihnen gleich von Anfang an sagen: Es geht allen Menschen mit frischem Stoma so. Es ist also vollkommen in Ordnung, am Anfang mit Unsicherheiten zu kämpfen. Haben Sie jedoch erst einmal eine Routine gefunden, ist dies kein Thema mehr!

Im Folgenden beantworten wir sämtliche Fragen rund um das Thema Versorgungswechsel.

Wie oft sollte man den Beutel wechseln?

Ein Stomabeutel sollte regelmäßig gewechselt werden, um die Haut um das Stoma zu schützen und die Hygiene zu gewährleisten. Die Häufigkeit des Wechsels hängt vom Beuteltyp und dem verwendeten Versorgungssystem ab.

Systeme

Einteilige Systeme: Diese sollten in der Regel täglich gewechselt werden.
Zweiteilige Systeme: Hierbei wird der Beutel ebenfalls täglich gewechselt, wenn er gefüllt ist oder seine Funktion nicht mehr richtig erfüllt. Die Basisplatte kann hingegen länger, etwa 2-3 Tage, auf der Haut bleiben.

Beuteltyp

Kolostomiebeutel: Geschlossene Beutel sollten immer dann gewechselt werden, wenn sie zu einem gewissen Grad mit Stuhl gefüllt sind.
Ileo- & Urostomiebeutel: Sollten grundsätzlich gewechselt werden, wenn die Hygiene und Funktionalität nicht mehr gewährleistet ist. Mindestens jedoch täglich.

Wann ist ein Wechsel zwingend?

  • Wenn die Versorgung undicht ist: Läuft der Beutel aus, muss er sofort gewechselt werden.
  • Wenn sich die Hautschutzplatte von der Haut löst: Dies deutet auf eine schlechte Haftung hin, und ein Wechsel ist notwendig.
  • Wenn sich ein unangenehmes Hautgefühl unter der Hautschutzplatte einstellt: Dies kann ein Zeichen für Hautirritationen sein.
  • Wenn der Beutel bis zur Hälfte seines Volumens gefüllt ist: Das gilt besonders für Ausstreifbeutel.
  • Wenn der Aktivkohlefilter eines Beutels erschöpft ist: Dies kann zu unangenehmen Gerüchen führen.

Wo wechselt man am besten den Stomabeutel?

Ein Stomabeutel kann grundsätzlich an jedem Ort gewechselt werden, an dem Sie sich wohlfühlen und die nötige Hygiene gewährleistet ist. Viele Stomaträger bevorzugen den Wechsel zu Hause, zum Beispiel am Waschbecken, vor einem Spiegel oder im Badezimmer. Wichtig ist, dass Sie eine Position wählen, in der Sie gut sehen und den Wechsel bequem durchführen können.

Ob im Stehen, Sitzen oder vor dem Spiegel – erlaubt ist, was für Sie am besten funktioniert.

Müssen Vorbereitungen getroffen werden?

Für einen angenehmen Versorgungswechsel berücksichtigen Sie bitte folgende drei Punkte:

Ruhe

Zunächst einmal sollten Sie einen ruhigen und privaten Raum wählen, in dem Sie Zugang zu einem Spiegel haben. Stellen Sie sicher, dass ein vorgeschnittener Stomabeutel, ein Einwegbeutel, trockene Tücher und falls benötigt auch ein Pflasterentfernungsspray bereitstehen.

Position

Bevor Sie beginnen, positionieren Sie sämtliche Hilfsmittel & Utensilien so, dass sie leicht greifbar sind. Die meisten Menschen entscheiden sich dafür, beim Beutelwechsel zu stehen oder zu sitzen. Es liegt ganz bei Ihnen, in welcher Position Sie sich am wohlsten fühlen. Die Verwendung eines Spiegels kann sehr hilfreich sein, um Ihr Stoma zu überprüfen und den neuen Beutel korrekt anzulegen.

Stomautensilien & Zubehör

  • Neue Versorgung
  • 3 - 4 feuchte (mit Wasser getränkte) Tücher oder Kompressen
  • 2 - 3 trockene Kompressen oder fusselfreie weiche Tücher
  • Entsorgungsbeutel (Fixierung mit Wäscheklammer)
  • Rasierer
  • Schere & Schablone
  • Ggf. Pflasterlöser, Hautschutz-Lotion, Hautschutzpaste oder -ringe und Handspiegel

Sollte die Basisplatte nicht vorgeschnitten sein, können Sie mit einer Schere und einer Schablone das für Ihr Stoma erforderliche Loch ausschneiden.

Tipps & Tricks

Wenn Sie einen entleerbaren Beutel wechseln, sollten Sie ihn zunächst auf einer Toilette entleeren, da der Beutel dann leichter und einfacher zu handhaben ist. Achten Sie darauf, dass Sie das Ende des Ablasses (bei Ileo- & Urostomie) Ihres Beutel mit einem Stück Toilettenpapier reinigen.

Wie genau wird ein Stomabeutel gewechselt?

  1. Materialien vorbereiten: Neue Stomaversorgung (Beutel und/oder Basisplatte), Kompressen, Reinigungsutensilien (z.B. Seife, Wasser, Reinigungstücher), Entsorgungsbeutel, ggf. Pflasterentferner so bereitlegen, dass sie gut erreichbar sind.
  2. Entfernen des alten Beutels: Vorsichtig von oben nach unten abziehen, dabei die Haut stützen, um ein Einreißen der Haut zu vermeiden. Bei Bedarf Pflasterentferner verwenden. Anschließend können Sie den Beutel in einem kleinen Einwegbeutel entsorgen.
  3. Haut reinigen & pflegen: Mit warmem Wasser und ggf. Seife reinigen. Hier bitte darauf achten, dass Sie keine parfümierten Seifen oder Tücher verwenden. Rasieren Sie Haare, falls vorhanden, rund um das Stoma vorsichtig mit Wasser und ohne Schaum immer vom Stoma weg – so schützen Sie Ihre Haut vor Irritationen und vermeiden Verletzungen in der empfindlichen Stomaregion. Nach dem Säubern können Sie das Stoma und die umgebene Haut vorsichtig abtrocknen.
  4. Neue Hautschutzplatte anbringen: Kontrollieren Sie den Durchmesser Ihres Stomas mithilfe einer Schablone und passen Sie ggf. die Größe des Hautschutzes Ihrem Stoma an. Die Öffnung der Hautschutzplatte sollte das Stoma dicht umschließen. Anschließend die Schutzfolie der neuen Versorgung entfernen und den Hautschutz vorsichtig auf der Haut anbringen. Achten Sie darauf, dass keine Falten entstehen, um eine gute Dichtung zu gewährleisten. Fahren Sie abschließend mit den Fingern über die Rückseite der Klebefläche und drücken Sie diese vorsichtig fest. Hautschutzplatten bestehen meist aus einem Material auf Hydrokolloidbasis, das durch Körperwärme und den natürlichen Feuchtigkeitsfilm der Haut aktiviert wird und so gut haftet. Um die Haftung zu unterstützen, kann es hilfreich sein, die Platte vor dem Anlegen leicht zu erwärmen, zum Beispiel indem man sie zwischen den Handflächen hält. Gerade bei kühleren Umgebungstemperaturen kann das Erwärmen dazu beitragen, dass das Material flexibler wird und sich schneller sowie besser an die Haut anschmiegt.
  5. Neuen Beutel anschließen: Bei zweiteiligen Systemen schließen Sie nun die Basisplatte an den Beutel an.

Was muss ich beim Anbringen einer neuen Versorgung beachten?

  • Ihre Haut muss vor dem Anbringen einer neuen Versorgung komplett trocken sein, da Feuchtigkeit die Haftkraft des Hautschutzes beeinträchtigen kann.
  • Sollten Sie Pflegeprodukte wie Seifen, Cremes oder Tücher verwendet haben, so achten Sie bitte darauf, dass diese stets pH-neutral und nicht rückfettend sind. Auch dies kann die Haftkraft des Hautschutzes negativ beeinflussen sowie Ihre Haut reizen.
  • Eine intakte und gesunde Haut im Bereich um das Stoma ist Voraussetzung für die optimale Haftung und Funktionsfähigkeit der Versorgung. Sollten Sie Probleme mit wunder, irritierter Haut haben, so sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Hausarzt oder Ihrer Stomapflegekraft.
  • Achten Sie auf Ruhephasen Ihres Stomas, um den perfekten Zeitpunkt für einen Versorgungswechsel abzupassen.

    o Bei einer Ileostomie ist es empfehlenswert, den Stomabeutel möglichst vor dem Frühstück zu entleeren oder zu wechseln. Da die [Ausscheidung](https://unora.de/stomapflege/stoma-und-ausscheidungen) nahezu kontinuierlich erfolgt, lässt sich ein völlig förderfreier Moment schwer bestimmen. Vor der ersten Mahlzeit ist die Aktivität des Stomas jedoch meist am geringsten, weshalb dieser Zeitpunkt besonders geeignet ist.

    o Bei einer Kolostomie treten im Tagesverlauf häufig natürliche Ruhephasen auf, in denen das Stoma keine Ausscheidung fördert. Eine allgemeingültige Empfehlung für den optimalen Zeitpunkt zum Versorgungswechsel gibt es daher nicht – dieser sollte individuell an den persönlichen Rhythmus und die täglichen Gewohnheiten angepasst werden.

Wie weiß ich, dass mein Beutel optimal sitzt?

  • Dichter Sitz ohne Undichtigkeiten: Es tritt kein Stuhl oder Urin unter der Basisplatte aus. Die Ränder haften vollständig auf der Haut.
  • Keine Hautirritationen: Die Haut um das Stoma bleibt intakt, trocken und reizfrei. Rötungen, Brennen oder Juckreiz hingegen deuten auf eine mögliche Undichtigkeit oder falsche Passform hin.
  • Richtige Öffnungsgröße: Die Aussparung in der Basisplatte schließt exakt an das Stoma an – mit ca. 1–2 mm Abstand, ohne das Stoma zu berühren.
  • Längerer Tragekomfort: Der Beutel bleibt mehrere Stunden bis Tage sicher haften (je nach System), ohne sich zu lösen oder unangenehm zu fühlen.
  • Keine Faltenbildung oder Spannung: Die Versorgung liegt glatt an und passt sich der Körperform gut an, auch bei Bewegung, Bücken oder Sitzen.
  • Geruchsneutralität: Es tritt kein unangenehmer Geruch aus – ein Zeichen für eine dichte Versorgung.
  • Individuell angepasstes System: Der Beuteltyp und der Hautschutz entsprechen den persönlichen Bedürfnissen (z.B. Stomaform, Hauttyp, Aktivitätsniveau)

Was sind häufige Fehler beim Versorgungswechsel und wie lassen sie sich vermeiden?

Einige häufige Fehler beim Versorgungswechsel und entsprechende Maßnahmen zur Vermeidung sind:

  • Haut nicht richtig vorbereitet: Rückstände der alten Hautschutzplatte oder feuchte Haut beeinträchtigen die Haftung.

    Lösung: Haut gründlich reinigen, sanft abtrocknen und auf vollständige Trockenheit achten.

  • Falsche Öffnungsgröße der Basisplatte: Zu große oder zu kleine Öffnungen können zu Hautirritationen führen.

    Lösung: Regelmäßige Kontrolle und korrektes Zuschneiden der Öffnung.

  • Wechsel bei starker Stomaaktivität: Erschwert den sicheren Sitz der Versorgung.

    Lösung: Möglichst zu Zeiten wechseln, in denen das Stoma wenig aktiv ist (z. B. morgens vor dem Frühstück).

  • Berühren der Klebefläche mit den Fingern: Dies kann die Haftung beeinträchtigen.

    Lösung: Die Klebefläche möglichst nicht berühren.

  • Nichtbeachten von Hautirritationen: Erste Anzeichen werden ignoriert, was zu stärkeren Beschwerden führen kann.

    Lösung: Haut regelmäßig kontrollieren und bei Auffälligkeiten Pflegeprodukte einsetzen oder Fachpersonal konsultieren.

Was ist beim Versorgungswechsel unterwegs oder im Urlaub zu beachten?

Beim Versorgungswechsel unterwegs oder im Urlaub ist eine sorgfältige Vorbereitung besonders wichtig. Folgende Punkte sollten beachtet werden:
  • Ausreichender Vorrat: Nehmen Sie genügend Stomamaterialien (Beutel, Basisplatten, Reinigungstücher etc.) mit – im Idealfall für einige Tage mehr als die Dauer des Urlaubs.
  • Handgepäck nutzen: Bei Flugreisen sollten alle wichtigen Stomautensilien im Handgepäck mitgeführt werden, um bei Gepäckverlust abgesichert zu sein.
  • Hygiene: Achten Sie auf saubere Bedingungen beim Wechsel, insbesondere in öffentlichen Sanitäreinrichtungen. Desinfektionstücher und Einmalunterlagen können hilfreich sein. Sind Sie ausschließlich in Europa unterwegs, ist es sinnvoll, sich einen Euro-WC Schlüssel zuzulegen. Dieser gibt Ihnen die Möglichkeit, behindertengerechte Toiletten aufzusuchen, welche normalerweise abgeschlossen sind.
  • Reisebescheinigung/Stomapass: Eine ärztliche Bescheinigung (mehrsprachig, wenn möglich) kann an Flughafenkontrollen hilfreich sein. Dieses Dokument könnt ihr bei nahezu jedem Versorgungsanbieter anfragen. Hier geht’s zu unserem Stomapass inkl. Reisezertifikat.
  • Lagerung: Schützen Sie die Materialien vor starker Hitze oder Kälte, da dies die Klebewirkung beeinträchtigen kann.
  • Notfallplan: Informieren Sie sich im Vorfeld über medizinische Ansprechpartner am Reiseziel, falls Probleme mit der Versorgung auftreten.

Fazit

Der regelmäßige und sorgfältige Versorgungswechsel ist ein zentraler Bestandteil im Alltag mit einem Stoma. Er trägt nicht nur zur hygienischen Sicherheit und zum Tragekomfort bei, sondern schützt auch die Haut und sorgt dafür, dass die Versorgung zuverlässig funktioniert. Mit der richtigen Technik, passenden Materialien und ggf. unterstützenden Hilfsmitteln lässt sich der Wechsel gut in den Alltag integrieren – auch bei körperlichen Einschränkungen.

Eine gute Vorbereitung, regelmäßige Hautkontrolle und die individuelle Anpassung der Versorgung an Körperform und Lebensstil sind dabei entscheidend. Wer frühzeitig auf Veränderungen des Stomas oder der umgebenden Haut reagiert und sich bei Unsicherheiten professionell beraten lässt, kann langfristig Beschwerden vermeiden und die Lebensqualität deutlich steigern.

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